31.08.2015
Was für eine angenehme Nacht! Die Pousada gefällt uns echt gut. Wir bewohnen ein Viererzimmer, direkt vor der Tür befindet sich eine Hütte mit Hängematten. Chillig! Reinaldo betreibt die Pousada zusammen mit Frau und Kindern und man merkt, wie bemüht man hier ist, zufriedene Gäste zu haben. Gestern haben wir mit Sohn Davíd eine Exkursion in eine Comunidade weiter in den Rio Tapajos hinein vereinbart, um halb 9 soll es los geht. Das Frühstücksbuffet lacht uns schon an, allerdings müssen wir für die Exkursion eben noch Geld holen. "Eben". Nachdem wir uns durchgefragt hatten, wo die Bank ist, stellte sich heraus, dass Geld abheben mit der Kreditkarte hier nicht funktioniert. Na super. In der Farmacia gibt es auch einen Automaten, aber dasselbe Problem. Verdammt! Bleibt zu hoffen, dass die Maestrokarte (die aber in der Unterkunft ist) funktioniert.
Schnell zurück, wir sind ohnehin spät dran und haben auch noch Hunger. Reinaldo war entspannt, wir sollen einfach später bezahlen. Juhu! Nachdem wir doch noch unseren Kaffee und ein bisschen Brot und Obst bekommen haben, ging es ins Boot.
Außer uns war noch João dabei, den wir gestern kennenlernten. Wir machten uns gen Süden auf, den Rio Tapajos flussaufwärts. Nicht nur die Sichtweite des Wassers, sondern auch die Wellen erinnerten einen eher an ein Meer. Das zahlreiche Wasser, das uns ins Gesicht platschte, war aber natürlich süß. Während Alter do Chao ein recht großes und zivilisiertes Dorf ist (angeblich 5.000 Einwohner), passieren wir auf dem Weg nach Jamarqua viele vereinzelte Hütten und kleine Comunidades, indigene Gemeinschaften. Die Menschen winken uns freundlich zu. Vor einer Hütte sieht man eine Frau halb im Fluss stehen, die Wäsche macht. Reinaldo gibt jetzt ordentlich Gas, nass sind wir eh alle schon. Nach gut einer Stunde sind wir in Jamarqua. Jamarqua liegt in der Floresta Nacional do Tapajós, einem rund 5.500 Quadratkilometer großem Schutzgebiet. Das Dorf gehört zu einem der Ersten, die Besucher aufnehmen. Die Menschen leben überwiegend vom Abzapfen von Kautschuk, von der Fischerei und der Ernte von Paranüssen. Auf Portugiesisch heißt Paranuss übirgens Castanha do Pará, Pará ist der Staat, in dem wir gerade sind. Falls Günther Jauch mal fragt...
Beim Aussteigen steigt schon die Lust auf den Wald. Von oben haben wir zwar schon viel gesehen, jetzt wollen wir aber auch mal rein! Freundlich werden wir von der Dona begrüßt. Sie erzählt, dass 27 Familien in dieser comunidade leben, rund 100 Menschen. An der Wand hing eine Art Infotafel. Immerhin 26 Deutsche haben letztes Jahr den Weg hierher gefunden. Nachdem die Dona uns zum Kaffee eingeladen hat, kam auch schon Didi. Er führt uns durch den Wald.
....jetzt muss ich mal ein bisschen schneller schreiben, sonst wird das ja nie was!
Dido zeigte uns Bäume, an denen Kautschuk abgezapft wurde. Er selbst arbeitet sowohl für die Kautschuk-"Industrie" als auch im Tourismus, indem er, wie uns heute, Leute durch den Wald führt. Er hat Augen wie Adler! Er weiß, wo er gucken muss, um uns was zeigen zu können. Rechts am Wegesrand haust unter einer Baumwurzel eine Tarantel. Mit einem Stock hitzelt er sie vorsichtig heraus. Auch weiß er, Gringos zu erschrecken. Während wir uns mutig vor die Tarantel setzen, um sie zu fokussieren, zwickt er uns in den Fuß. Auf unseren Schreck hin lacht er uns erstmal aus. Witziger Typ. Er weiß auch genau, wie man mit verschiedenen Geräuschen die Vögel des Waldes anlockt. Die meisten mit dem Mund, einmal nimmt er große Blätter und reibt sie an seine Machete. Und tatsächlich - der Vogel antwortet. Genial! Überall hängen Lianen. Wir versuchen uns im Klettern, ganz nach Tarzan. Als wir an einem gigantischen Baum pausieren, rennt Dido kurz in den Wald. Zurück kommt er mit einem großen Ast, aus dem bei senkrechem Halten Wasser hinaustropft. Dass Dido hier ausgewachsen ist, daran gibt es keine Zweifel. Der kennt sich aus! Nach der 5 stündigen Wanderung gehen wir zu Dona, einer alten, niedlichen Dame, die für uns gekocht hat. Fisch, Reis, Farofa. Das haben wir uns verdient. Anschließend holt Dido uns wieder ab zur Kanutour durch einen Seitenarm. Die Verständigung klappt immer besser. Englisch kann er nicht, aber mein Spanisch wird langsam immer portugiesischer. Dido ist sichtlich erfreut, als er uns Schimpfwörter beibringen kann. Noch ein Sprung ins warme Wasser, dann geht es zurück. Im Sonnenuntergang fahren wir zurück nach Alter. Das war schön!








Keine Kommentare:
Kommentar veröffentlichen